Inhaltsverzeichnis
Glossar - das Fachwörterbuch
Das Krankheitsbild
Aufgaben der menschlichen Atmung
Aufbau und Funktion der menschlichen Atmung
Veränderungen in Aufbau und Funktion beim Emphysem
Ursachen des Emphysems
Verlauf der Krankheit
Diagnose
Möglichkeiten der Behandlung
Psychische Einflüsse
Leben mit der Krankheit
Leben gegen die Krankheit
Prävention und Screening
 

Die Psyche spielt immer mit!
Welche Einflüsse kann man ihr beim Emphysem zuschreiben?


Atmung und Seele, ein uraltes Thema....
Wieviele Atemwegskranke, ob Asthma-, Bronchitis- oder Emphysempatienten haben sich nicht schon anhören müssen, dass ihr Leiden "nur" von der Seele käme! Viele fühlen sich unverstanden und verstehen das als Vorwurf, sie seien eigentlich ein bißchen ......

Dass es Zusammenhänge gibt, ist unbestritten. Atmen, Luftholen, Durchatmen, Seufzen, das alles ist mit so elementaren Gefühlen verbunden, dass sich wohl niemand vorstellen kann. unsere Atmung wäre eigentlich nur eine Maschine und die Atemwegskrankheit ein "Motorschaden" ;-)

Wir wollen versuchen, aus unserer Erfahrung und der namhafter Ärzte und Psychologen einige Anmerkungen zu diesem nicht ganz einfachen Thema zu machen.

Eines vorweg: Das Lungenemphysem ist (genau wie auch das Asthma) keine seelische Erkrankung!

Speziell beim Emphysem ist das auch leichter einzusehen: Wie wir gesehen haben, bestehen bei dieser Krankheit gravierende Strukturveränderungen in der Lunge und an den Atemwegen, regelrechte Gewebszerstörungen. Dass so etwas durch Stress oder Sorgen entsteht, wird wohl kaum jemand behaupten.
Eine andere Frage ist es, wie weit seelische Faktoren wie die beschriebenen an der Entstehung so einer schwerwiegenden Krankheit mitwirken können.
Wir sind überzeugt, dass es solche Einflüsse gibt, wenn auch sicher hauptsächlich auf indirektem Weg.


Psychische Probleme können das Lebensgefühl eines Menschen stark beeinträchtigen - das weiss jeder. Dies wird auch sein Verhalten ändern (denken wir nur mal an die "Kummerzigarette" oder den "Kummerspeck"), er wird sich vielleicht "verkommen" lassen, er wird einen Arztbesuch hinausschieben. Er wird aus Antriebsmangel "faul" oder aber hektisch und überaktiv sein, er wird jämmerlich werden oder sogar aggressiv und bösartig. Vieles ist hier denkbar, und jedem werden Beispiele dazu einfallen.
All das ist für die Gesundheit nicht günstig. Es ist bekannt, dass eine gewisse Ausgeglichenheit und innere Ruhe, Lebensfreude und ein harmonischer Lebensrhythmus sich auch körperlich positiv auswirken.
Und all das spielt sicher auch bei der Emphysementstehung eine gewisse Rolle. Trotzdem gibt es auch sehr glückliche Menschen, die so eine Krankheit bekommen - ein absoluter Schutz ist das also leider auch nicht.

Man kann es aber auch andersherum betrachten. Keine Luft zu bekommen, an jeder kleinen Steigung stehen bleiben zu müssen, wo andere hinaufspringen, durch Alltagstätigkeiten wie Essen, Anziehen .... oder vielleicht sogar beim Sprechen oder etwas etwas so Wichtigem wie Zärtlichkeit und Sex völlig außer Atem zu geraten, das ist deprimierend. Es entwickelt sich ein Teufelskreis: Letztlich weiss niemand so recht, wo hier das "Ei" und wo das "Huhn" zu suchen ist ;-)

Was soll man hieraus für Konsequenzen ziehen?
Wir denken, dass es am besten ist, dieses Problem von verschiedenen Seiten her anzugehen. Jeder sollte - nach seinen ganz persönlichen Voraussetzungen und Fähigkeiten - versuchen, "seine Mitte" zu finden, einen Weg, der für ihn einer guter ist, nach Frieden und Ausgeglichenheit streben, auch wenn das manchmal schon recht schwer erscheint.
Man sollte versuchen, immer wieder das Positive im eigenen Leben bewußt zu sehen, vielleicht sich klarmachen, dass es immer noch jemanden gibt, dem es noch schlechter geht. Man kann versuchen das Unabänderliche so gut wie möglich hinzunehmen, das Änderbare dagegen zu verbessern. Man kann schöne Dinge tun, sich gönnen, etwas nur wegen der Freude daran zu machen und nicht wegen seiner Nützlichkeit.
Wir sollten versuchen, Menschen um uns zu haben, die uns wichtig sind, die zu uns stehen, denen wir etwas geben können und sie wiederum uns.....

Aber auch: Die Krankheit so gut wie möglich behandeln, das Schicksal in die Hand nehmen, zumindest, soweit es uns möglich ist. Den Körper so wenig schädigen wie möglich, ihm so viel Gutes tun, wie es geht. Alles tun, was machbar ist: Kino, Verreisen, Wandern (und wenn es nur ganz langsam und im Ebenen ist), Arbeiten (und wenn es nur kleine Hilfen für die Frau/den Mann sind), Feiern - jeder muss für sich klären, wo etwas für ihn persönlich Wichtiges und Positives ist.


Das klingt alles einfach und ist ist oft doch so schwer - für Gesunde schon, um wieviel mehr dann für chronisch Kranke? Und trotzdem führt sicher kein Weg daran vorbei, es immer und immer wieder zu versuchen, sein Bestes zu tun. Und dann wird sich das auch alles positiv auf Gesundheit und Krankheit auswirken, und wenn es nur kleine Fortschritte sind....

Wir würden es nicht wagen, Ihnen solche guten Ratschläge zu geben, wenn wir nicht immer wieder Kranke erleben würden, denen das gelingt, die damit besser zurecht kommen als andere, die nur auf ihr Leid schauen, neidisch sind, auf die, denen es besser geht. Wir bewundern diese Menschen sehr - sie sind für den Arzt oft mit ein Grund, den manchmal so traurigen Beruf nicht aufzugeben, sich zu sagen: Es hat doch einen Zweck, mach' weiter in deinem Bemühen, versuch' zu helfen.
Denn auch Ärzte und Pflegepersonal und jeder, der helfen möchte, kennt all das oben Gesagte! Und leidet auch immer wieder darunter - so wie jeder andere Mensch auch. Und es kommt garnicht so selten vor, dass auch wir von unseren Patienten lernen.

Das sind jetzt sehr persönliche Dinge, jeder muss sich selbst überlegen, wie er dazu steht - aber wir wollten auch einmal den Kittel abstreifen und ein wenig von uns zeigen - vielleicht kann es dem einen oder anderen eine kleine Hilfe sein.

Wenn dann aber garnichts mehr "geht", wenn schwere Probleme uns daran hindern, ein wenig von dem oben Gesagten zu verwirklichen, dann sollte man auch den Gang zum Seelendoktor oder zum Psychologen nicht scheuen und seine professionelle Hilfe annehmen.

Wer möchte, kann jetzt mit uns auf dem Weg weitergehen und - ein wenig zusammenfassend - betrachten, was man alles tun kann, um mit der Erkrankung zu leben - und nicht dagegen!

(Dr. M. Prittwitz)

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Autor(en) der Seite: Dr. M. Prittwitz. Diese Seite wurde zuletzt aktualisiert am 01.05.2009 11:22