Inhaltsverzeichnis
Glossar - das Fachwörterbuch
Das Krankheitsbild
Aufgaben der menschlichen Atmung
Aufbau und Funktion der menschlichen Atmung
Veränderungen in Aufbau und Funktion beim Emphysem
Ursachen des Emphysems
Verlauf der Krankheit
Diagnose
Möglichkeiten der Behandlung
Therapie mit Sauerstoff
Seelische Aspekte
Leben mit der Krankheit
Leben gegen die Krankheit
Prävention und Screening
 

Einzelheiten der Behandlung mit Sauerstoff -
für Emphysemkranke unter Umständen ein ganz wichtiges Kapitel!


Sauerstoff ist eigentlich kein Medikament!
Und natürlich braucht auch nicht jeder Emphysemkranke eine Sauerstoffbehandlung. Für diejenigen unter Ihnen, bei denen die Erkrankung bedauernswerterweise schon weiter fortgeschritten ist, kann eine solche Behandlung aber eine große Hilfe und Verbesserung der Lebensqualität bedeuten und langfristig sogar die Lebenserwartung, die durch ein Emphysem durchaus eingeschränkt sein kann, deutlich verbessern!
Auch diejenigen, bei denen es bisher nicht so schlimm aussieht, können leider unter ungünstigen Umständen in diese Situation kommen.

Das alleine rechtfertigt sicherlich schon eine eingehendere Beschäftigung mit dem Thema Sauerstoff.


Wie gesagt: Sauerstoff ist kein Medikament! Trotzdem kann man kranke Menschen damit behandeln. Letztlich gleicht man durch die Therapie mit Sauerstoff (egal, in welcher Form!) nur die mangelnde Fähigkeit der Lunge aus, das kostbare Lebensgas unserem Körper in ausreichender Menge zur Verfügung zu stellen: Man bietet es im Übermaß an, damit in den Geweben eine wenigstens einigermaßen ausreichende Konzentration zur Verfügung steht. Eine Sauerstoffbehandlung entspricht also eher der Versorgung mit einer Prothese!
Man kann auch Atemnot nicht mit Sauerstoff beseitigen (dafür braucht man bronchienerweiternde Medikamente), Sauerstoffmangel führt eher zu Müdigkeit und Leistungsverminderung als zu Atemnot.
Langfristig wirkt sich eine (medizinisch notwendige) Sauerstoffbehandlung günstig auf Lebensqualität und Lebenserwartung aus (das erste ist erlebbar, das zweite bewiesen!). Wenn die Krankheit einen gewissen Schweregrad erreicht hat, ist diese Therapieform die wirkungsvollste Maßnahme überhaupt (es gibt allerdings keinen Beweis dafür, dass sich die Anwendung von Sauerstoff - ausser für das Bankkonto des Behandelnden - bei Gesunden in irgendeiner Weise positiv auswirkt!).

Obwohl Sauerstoff letztlich in jeder Form identisch ist, gibt es verschiedene Formen einer Sauerstofftherapie, auf die Unterschiede wird unten eingegangen:

   Behandlung mittels eines Sauerstoffkonzentrators

   Größte Mobilität durch eine Flüssigauerstoffbehandlung

   Die (nur selten sinnvolle) Versorgung mit Sauerstoffflaschen

Behandlung mit einem Sauerstoffkonzentrator

Ein Sauerstoffkonzentrator ist ein elektrisches Gerät, das aus der normalen Raumluft den Sauerstoff herauszieht und das Gas konzentriert durch einen Schlauch an den Kranken abgibt. Es brummt leise vor sich hin, ist schwer und nur wenig beweglich, muss dafür allerdings nie nachgefüllt werden. Daraus kann man schon ersehen, dass sich diese Form der Behandlung vorwiegend für zwei Gruppen von Kranken eignet:
   - Menschen, die nur nachts Sauerstoff brauchen und
   - Schwerstkranke, die - beispielsweise wegen einer zusätzlichen Erkrankung (Schlaganfall o.ä.) - ohnehin keinerlei Mobilität mehr besitzen und aller Voraussicht nach auch nicht mehr erlangen werden.

Größte Mobilität durch Flüssigauerstoff

Das ist die derzeit modernste und praktischste Art der Sauerstoffversorgung. Der Kranke erhält für zuhause einen großen Tank, der regelmäßig mit flüssigem Sauerstoff nachgefüllt wird. Aus diesem Tank kann er sich versorgen, wenn er in der Wohnung ist. Wenn er das Haus verläßt, füllt er sich einfach Sauerstoff in einen kleinen tragbaren Behälter aus Leichtmetall und kann diesen dann mitnehmen. Ja nach Sauerstoffbedarf reicht dieser kleine Tank ca. 2-8 Std. Man kann ihn in einem Wagen mitnehmen (ähnlich einem Einkaufswagen) oder in einem Rucksack tragen. Man den Sauerstoff auch in einem feinen Schlauch über ein Brillengestell zur Nase leiten, dann ist diese Form der O2-Therapie kaum noch für Aussenstehende zu erkennen.

Die (eigentlich nicht mehr ganz zeitgemäße) Versorgung mit Sauerstoffflaschen

Hier muss man sich immer wieder eine neue, schwere Stahlflasche besorgen. Damit ist die Mobilität natürlich stark eingeschränkt. Noch vor einigen Jahren gab es allerdings keine andere Lösung. Wenn man aber bedenkt, dass eine korrekte Sauerstoffbehandlung in aller Regel eine regelmäßige Langzeitbehandlung ist, wird schnell klar, dass diese Form der Therapie nicht sehr sinnvoll ist und dass es heute bessere Alternativen gibt. Lediglich in Ausnahmefällen - z.B. wenn ein Emphysempatient mit Sauerstoffkonzentrator für kurze Aufenthalte draussen versorgt werden soll (ein paar Schritte im Freien oder eine Spazierfahrt im Rollstuhl) - kann das eine vernünftige Lösung darstellen.

 
 
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Autor(en) der Seite: Dr. M. Prittwitz. Diese Seite wurde zuletzt aktualisiert am 30.09.2005 20:24