Wie stellt der Arzt die Diagnose COPD?
Ihr/Ihm steht dafür eine ganze Batterie an "Instrumenten" zur
Verfügung:
- Anamnese
- Körperliche Untersuchung
- Basisdiagnostik
- Lungenärztliche (Spezial-)Diagnostik
- Anamnese
Die Anamnese, d.h. das ärztliche Gespräch ist von alters her die
Grundlage der ärztlichen Behandlung. Sie ist ein gezieltes Gespräch
zwischen Arzt und Patient, das die Fakten erhebt und in Zusammenhang bringt,
die der Arzt für seine Beurteilung der Krankheitssituation und letztlich
für die Erstellung einer Diagnose und Therapie benötigt. Ein solches
Gespräch zu führen ist nicht leicht. Weder soll es ein einfaches
Abfragen von Daten sein (das könnte ein Computer oder ein Fragebogen
wohl besser und vollständiger), noch soll es ein belangloses Geplaudere
sein, das zwar eine freundliche Stimmung zwischen Hilfsbedürftigem und
Helfer fördert - aber zu wenig Konkretes für die Behandlung der
Krankheit bereit stellt. Von jedem etwas, in einer sachlichen aber menschlich
einfühlsamen Umgebung, die den Patienten nicht unverhältnismäßig
unter Druck setzt - so etwa könnte man das Optimum beschreiben.
Ängste, Erwartungen und Einschätzungen des Erkrankten und seiner Umwelt
sind durchaus wichtige Informationen für den Arzt, ein guter Doktor wird
auch diese eher subjektiven Dinge zu schätzen wissen. Das darf aber nicht
darüber hinweg täuschen, dass der Arzt zuerst einmal "harte Fakten" braucht:
Art, Häufigkeit und Stärke der Beschwerden, den ersten Zeitpunkt ihres
Auftretens, regelmäßige Wiederholungen, Tendenzen zu Verschlechterung
oder Verbesserung usw.
Ein guter Arzt zeichnet sich dadurch aus, dass er nach 10-15 Minuten eines
solchen Gespräches ein ziemlich genaues Bild vom Patienten und seiner
Erkrankung hat und nun ergänzende Untersuchungen durchführen kann,
die seinen Verdacht, seine Vermutungen oder Annahmen stützen - oder
auch widerlegen. Insofern ist es nicht viel anders als beim beliebten Tatortkommissar,
der sich schrittweise an die Lösung eines schwierigen Falles heran arbeitet...
Fest steht zumindest, dass eine ungezielte Diagnostik, d.h. das "schrotschussartige" Anordnen
von technischen Untersuchungen nach dem Motto "Irgendwas wird dabei
schon rauskommen" kein gutes ärztlicher Stil ist.
- Körperliche Untersuchung
Bevor nun aber die Technik bemüht wird, sollte der Arzt seine Sinne
einsetzen und den Patienten mit Augen, Ohren und Tastsinn selbst begutachten.
Das Betrachten, Abklopfen, Abhören, Fühlen und Tasten liefert dem
erfahrenen Arzt wertvolle Hinweise für seine zuvor entwickelte Theorie
(Hypothese): Könnte es so sein wie ich vermute, oder ist es vielleicht
doch ganz anders? Gibt es Befunde, die meinen Verdacht (und gar nicht so
selten auch den Verdacht des Patienten selbst, den ein guter Arzt durchaus
auch zu erfahren versucht!) stützt? Oder gibt es eine zweite oder dritte
Möglichkeit, die Beschwerden zu erkären?
Im Bereich der Atemorgane sind z.B. folgende Beobachtungen und Befunde besonders
wichtig:
- Bewegung des Patienten allgemein
- Bewegung des Brustkorbes bei der Atmung
- hörbare Atemgeräusche
- Hautverfärbungen (blass, rötlich, bläulich=zyanotisch...)Sichtbare
Veränderungen des Brustkorbes - aber z.B. auch der
Finger, Fingernägel, der Adern (Venen), der Beine
usw.
- Puls, Blutdruck, Hautwärme, Zittern der Hände,
auffälliger Geruch, Stimmveränderungen (z.B.
Heiserkeit) und viele andere Beobachtungen
- Begutachtung der Mundhöhle: Zähne, Zunge, Wanden-
und Rachenschleimhaut, Schwellungen, Rötungen, Schleim
(weiß schaumig? farblos glasig? gelb? grün?
braun? ...)
- Geräusch beim Abklopfen des Brustkorbes (Perkussion:
ist unter meinem Klopffinger viel Luft oder festes Gewebe?)
- Geräusche, die durch die Benutzung des Stethoskopes
hörbar werden (reines Strömen der Atemluft, Brummen,
Rauschen, Knacken, Knistern, Quietschen, Giemen=feines
Pfeifen, Reiben usw.)
Diese (nicht Vollzähligkeit beanspruchende) Aufzählung
soll deutlich machen, auf was man als Arzt so alles achten
muss. Es ist nicht so, dass jeder dieser Befunde dem Doc gleich
die perfekte Diagnose ermöglicht (das ist sogar eher selten),
aber jeder dieser Punkte ist ein Mosaiksteinchen auf dem Weg
zu einer soliden Diagnose, die erst eine entsprechende Therapie
ermöglicht.
Um die Seite nicht zu umfangreich zu machen, geht es auf der nächsten
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Letzte Aktualisierung
21.11.2010
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| … Autor der Seite © Dr. med. Michael Prittwitz