Wie kommt es nun zu dieser Art Lungenemphysem?
Das sogenannte Proteasen-/Antiproteasen-Konzept liefert eine
ErklØrung. Proteasen sind Enzyme, die es erleichtern,
verschiedene Eiweisse (Proteine) anzudauen. Dies erfolgt auch in
einem gesunden Kðrper kontrolliert, um eine dauerhafte
Erneuerung von Geweben zu gewØhrleisten. Zum Schutz davor, dass
diese Proteasen zu viel Gewebe angreifen, gibt es die sogenannten
kðrpereigenen Antiproteasen oder Proteaseninhibitoren, die die
Wirkung der Proteasen hemmen. Es besteht also im Normalfall ein
Gleichgewicht zwischen Proteasen und Antiproteasen, wodurch ein
gezielter Gewebeumbau ermðglicht, aber eine Erkrankung
verhindert wird.
Einerseits kann es nun durch Infektionen der Atemwege
(bronchopulmonale Infekte) dazu kommen, dass Proteasen vermehrt
vorkommen. Andererseits kðnnen die Antiproteasen vermindert
sein. Dies kann entweder angeboren (Alpha-1-Antitrypsin-Mangel)
oder durch Inaktivierung von inhalativen Schadstoffen
(Zigarettenrauch) passieren.
Das Gleichgewicht zwischen Proteasen und Antiproteasen
verschiebt sich also zu den Proteasen, wodurch es zu einem
vermehrten Angriff der Proteasen am Lungenger™st kommt. Das
Gewebe wird angegriffen und ™ber lØngere Zeit stark reduziert.
Die Reduktion der AustauschflØche zwischen Blut und Luft ist
das, was sich durch die spezifischen Symptome dann als Emphysem
bemerkbar macht.
Durch die Entwicklung eines Emphysems kommt zu einer
EinschrØnkung der normalen Lungenfunktion. Aufgrund von
WandinstabilitØten durch Entz™ndungen und UmbauvorgØnge kann
es zu einer verengenden (obstruktiven) Atemwegserkrankung kommen.
Wie oben im
Proteasen/Antiproteasen schon erwØhnt wurde, gibt es kðrpereigene Stoffe,
die den Gewebeum- und abbau in der Lunge hemmen kðnnen: Das sind die sogenannten
Antiproteasen, wobei das Alpha-1-Antitrypsin einer der wichtigsten Stoffe ist.
Es gibt nun Krankheiten, bei denen der Kðrper nicht genug Alpha-1-Antitrypsin
bildet. Dann kommt es zu einem Mangel an Alpha-1-Antitrypsin und einem Überwiegen
der Proteasenwirkung, die das Lungengewebe abbauen.
Zu solchen Mangelerscheinungen kommt es bei speziellen genetischen Defekten.
Diese werden vererbt auf dem Chromosom 14
und kommen in unterschiedlich schweren AusprØgungen vor, da
verschiedene Varianten (=Allele, von denen S, M und Z bekannt
sind) des betroffenen Gens existieren. Die meisten Menschen haben
zwei Kopien der M-Variante (PiMM) und sind damit gesund.
Die schwerste Form ist der sogenannte PhØnotyp PiZZ
(=Proteasen Inhibitor Gen mit den Allelen Z und Z, sogenannte
homozygote Form, bei der beide Kopien des Gens fehlerhaft sind),
bei dem es zu einem Absinken des Alpha-1-Antitrypsins auf weniger
als 15% des Solwerts kommt. Diese Form f™hrt unbehandelt schon
im Kindes- oder fr™hen Erwachsenenalter zur Entwicklung eines
Lungenemphysems. Da das Alpha-1-Antitrypsin auch in anderen
Teilen des Kðrpers Funktionen aufweist, kann es auch zu anderen
Organbeteiligungen wie zu einer Leberzirrhose kommen. Diese
schwere Form der Erkrankung liegt bei ca. 1-2% aller Patienten
mit einem Lungenemphysem vor und damit ca. 1:10000 in der
gesamten Bevðlkerung vertreten.
Eine andere Form des Alpha-1-Antitrypsin Mangels ist die
sogenannte heterozygote AusprØgung (PiSZ mit den Allelen). Dabei
besteht nur eine leichtere Form der Erkrankung, weil eine Kopie
des Gens nicht fehlerhaft ist (S=gesund, Z=defekt). Der
Serumspiegel von Alpha-1-Antitrypsin liegt in diesem Falle bei
ca. 25-40% des Sollwerts. Bei dieser Hðhe des Enzyms kommt es
vor allem bei zusØtzlichen auslðsenden Faktoren (z.B. Infekte,
Rauchen, Staub, u.a.) zur manifestation der Erkrankung. Sofern
man sich als Betroffener diesen Gefahren auf Dauer aussetzt,
kommt es zu einer Verk™rzung der Lebenserwartung um Jahre !
Alle anderen Kombinationen, die mðglich sind (PiSS, PiMZ,
PiMS), weisen gen™gend hohe Werte an Alph-1-Antitrypsin im Blut
auf (>40% des Sollwerts), um kein erhðhtes Risiko f™r die
Erkrankung zu haben.