V. Therapeutisches Konzept
Eine Therapie
von chronischen Atemwegserkrankungen allein durch
Medikamente wird den vielfältigen medizinischen, psychologischen,
beruflichen und sozialen Aspekten der Krankheiten
nicht gerecht. So bietet die stationäre Rehabilitation ein
Therapiekonzept mit einem ganzheitlichen Ansatz, der für Erkrankungen
der Atmungsorgane prinzipiell folgende wesentlichen Therapiesäulen
enthält:
- Medikamentöse Therapie
- Atemphysiotherapie/Krankengymnastik
- Patientenverhaltenstraining
- Körperliches
Training
- Inhalationen / physikalisch-balneologische
Heilma ßnahmen
- Nächtliche Beatmungstherapie bei
Schlaf-Apnoe und respiratorischer Insuffizienz
- Allergenkarenz
- Psychologische Betreuung
- Diäten / Ernährung
- Sozialberatung
- Klimatherapie / Erholung
Die individuelle Gestaltung und Anpassung
des schriftlichen Therapieplans an die Therapieziele jedes
einzelnen Patienten erfolgt durch
den Stationsarzt, der die Aufnahmeuntersuchung
vornimmt. Je nach den Ergebnissen der
Diagnostik, der Rückkoppelung von den einzelnen Therapeuten
bzw. dem rehabilitativen Fortschritt wird dieser Plan kontinuierlich
den
aktuellen Gegebenheiten angepasst. Spätestens erfolgt dies
bei der wöchentlichen Visite, die trotz der hohen Qualifikation
vieler Stationsärzte (siehe Personalschlüssel) im 3 Wochenzyklus
von Chefarzt-Oberarzt-Stationsarzt, Oberarzt-Stationsarzt,
bzw. vom Stationsarzt durchgeführt wird. Dies gewährleistet
neben einer engen Abstimmung des Therapiekonzepts über alle
Stationen der Klinik hinweg eine kontinuierliche Qualitätssicherung
der medizinischen Versorgung.
Rund um die Uhr ist die Betreuung durch qualifiziertes
Personal gewährleistet. Ein Arzt und mindestens 2 Pflegekräfte, davon
eine examinierte Krankenschwester/-pfleger sind immer im Hause. Diese
können über eine Notrufanlage gerufen werden. Chefarzt bzw.
Oberarzt sind im Hintergrunddienst 24 Stunden erreichbar und gewährleisten
bei Akutsituationen zusätzliche Unterstützung.
Die einzelnen Therapiesäulen sind wie
folgt kurz zu charakterisieren und umfassen folgende Einzelelemente:
Medikamentöse Therapie:
Die vom betreuenden Haus- bzw. Facharzt begonnene medikamentöse
Therapie wird möglichst fortgeführt und auf der Basis
der Empfehlungen der internationalen Fachgesellschaften
dem modernsten wissenschaftlichen Standard angepasst. Oft sind durch
den diagnostischen
Zugewinn, z.B. im Rahmen der Lungenfunktionsdiagnostik,
Anpassungen der medikamentösen Therapiemaßnahmen erforderlich.
Die
Medikamentenversorgung der Klinik erfolgt über eine Kooperation
mit der Apotheke des Städtischen Krankenhauses Bad Reichenhall.
In der Klinik selbst sind ständig sämtliche wesentlichen
Medikamente, die in der Inneren Medizin gebraucht
werden, vorrätig.
Sauerstoff steht im Haus über Wandanschlüsse bzw. mit Sauerstoffkonzentratoren
in jedem Patientenzimmer zur Verfügung. Für die Flüssigsauerstoffversorgung
mobiler Patienten stehen eine Vielzahl portabler Systeme, auch mit
Sparsystemen und Vorratsbehälter aller in Deutschland vertretenen
Hersteller, zur Verfügung.b) Atemphysiotherapie / Krankengymnastik
Neben der medikamentösen Therapie spielt die krankengymnastische
Atemtherapie eine herausragende und weithin unterschätzte Rolle
bei der Therapie aller Atemwegserkrankungen: Von den essentiellen
Selbsthilfetechniken für Patienten mit Körperstellungen,
bis hin zu verschiedenen Formen von Entspannungstechniken ergibt
sich eine große Palette von wesentlichen Hilfen in der Beherrschung
und Verhütung von Atemnotszuständen.
In den Anfängen des Reichenhaller Heilbades diente die Inhalation
verdünnter Sole zur alleinigen Therapie der Verschleimung; heute
gibt es eine Vielzahl weiterer Maßnahmen zur Verbesserung der
gestörten bronchialen Reinigung, die unter Anleitung sehr erfahrener
und hoch spezialisierter Therapeuten erlernt werden können.
Die Erkenntnis aus der bronchoskopischen Diagnostik über die
relativ häufigen bronchialen Instabilitäten und den Grad
der Dyskrinie/Schleimretention kann zum gezielten Einsatz einzelner
Maßnahmen, wie dem Erlernen korrekter Hustentechniken führen.
Atemtherapeutische Abteilung:
- Atemgymnastik in 3 Schweregraden
(Gruppentherapie)
- Einzelgymnastik
- Schleimmobilisierung
- Flutter,
Cornet
- Pezziball, Trampolin
- Autogene
Drainage
- Lagerungsdrainage
- Hustentechniken
- Intermittierende Überdruckinhalation
- Entspannungstraining
- Autogenes
Training
- Muskuläres Tiefentraining/Jacobson
- Qi
Gong
- Respiratorisches Feedback
- BindegewebsmassageOrthopädische
Physiotherapie
- Rückenschule
- Wirbelsäulen-Gymnastik
- Gymnastik
im Bewegungsbad obere Extremität, untere Extremität
- Medizinische
Trainingstherapie
- Ergometertraining
- Krankengymnastik
in Gruppen
- Krankeneinzelgymnastik
- Schlingentisch
- Elektrotherapie
- Strom-Ultraschallkombination
- Unterwassermassage
- Fangopackungen
- Heißluft
- Massage
- Eisanwendungen
- TENS (transkutane
elektrische Nervenstimulation)
- Lymphdrainage
- Fußreflexzonen-Behandlung
c) Patientenverhaltenstraining
Chronische Erkrankungen können ohne aktive Mitarbeit des Patienten nicht
optimal behandelt werden. Die Patientenschulung spielt daher an der Klinik Bad
Reichenhall seit langem eine zentrale Rolle. Der Patient muss erlernen, selbst
die Krankheit zu beherrschen, um sich nicht von ihr beherrschen zu lassen. Das
Schulungsprogramm über obstruktive Atemwegserkrankungen nach dem „Bad
Reichenhaller Modell“ ist im Laufe der Jahre ständig aktualisiert
und erweitert worden und wird mit Hilfe von verschiedenen Modulen inzwischen
den Informations- und Trainingsbedürfnissen von Patienten mit unterschiedlichsten
Krankheiten und Therapieformen gerecht. Die Module reichen von den verschiedenen
Allergenen über Umweltthemen bis hin zum Kurs für Patienten mit Sauerstoff-Langzeit-Therapie,
jeweils mit praktischen Übungen zum Training im Umfang mit den notwendigen
Geräten. Eine Innovation stellt die interaktive Patientenschulung für
Asthmapatienten am PC dar.
Zentrum für Patiententraining
Organisationsbüro für modulares System der Patientenschule nach dem
Bad Reichenhaller Modell
Patientenschulung für Asthmatiker
Patientenschulung für chronische Bronchitis und Emphysem (COPD)
Patientenschulung für interstitielle Lungenerkrankungen (Sarkoidose, Exogen
allergische Alveolitis, Idiopathische Lungenfibrose u. a.)
Spezialmodule für
Allergiker
Sauerstoff-Langzeit-Therapie
Atemregulationsstörungen
Peak-flow-Meter-Training
Applikationstechniken
Apparateinhalation
Spezialmodule für interaktive, PC-unterstützte Schulung
Raucherinformation/Raucherentwöhnung
AlkoholentwöhnungPatienteninformation
Stressabbau
Umwelt
Innenraumklima
Patientenschulung Bewegung – Gesundheit
Information Osteoporose
Patienteninformation Fitness
d) Körperliches Training
Das körperliche Training, schon immer ein wesentliches Element der Rehabilitation
in Bad Reichenhall ist durch wissenschaftlich abgesicherte Therapieeffekte inzwischen
als essentielles Therapieelement anerkannt im Sinne der ‚evidence based
medicine‘ und stellt einen unverzichtbaren Bestandteil der Rehabilitation
fast aller pneumologischen Krankheitsbilder dar. Das regelmäßige,
individuell dosierte körperliche Training wird in der Regel auf dem Laufband
durchgeführt, bei Patienten mit respiratorischer Partialinsuffizienz bzw.
schwerer Diffusionsstörung auch unter kontinuierlicher Sauerstoffzufuhr.
Auch mit Hilfe von ausreichend vorhandenen Gehwägen kann die Mobilität
schwerstkranker Patienten auf den Stationen gesteigert werden, da damit die
Atemhilfsmuskulatur unterstützt, die Beinmuskulatur entlastet und der Sauerstoff
ohne zusätzliche Anstrengung mitgeführt werden kann.
Unser Motto lautet nicht umsonst:
Luft und Bewegung bedeuten Leben und Wohlbefinden!
Körperliches Training
Ergometertraining mit und ohne Sauerstoff
Laufband-Training mit und ohne Sauerstoff
Laufgruppe differenziert nach Schweregrad
Geführte Patientenwanderung
e) Inhalationen / physikalisch-balneologische Heilmaßnahmen
Die Inhalation von 2%iger Reichenhaller Sole ist
immer noch die effektive und nebenwirkungsfreie Basis der
schleimlösenden
Therapie. Eine ausgeklügelte technische Ausrüstung zur
Verneblung von steriler Bad Reichenhaller Sole sorgt für einwandfreie
hygienische Verhältnisse in der Inhalationsabteilung. Neben
verschiedenen Medikamenteninhalationen verdient die Ultraschall-Druck-Verneblung
zur effektiven Behandlung akuter und chronischer Nasennebenhöhlenaffektionen
besondere Erwähnung.
Wer wegen akuter Erkrankung bzw. seiner schlechten Ausgangssituation
auf seinem Zimmer inhalieren muss, findet dort Druckluftanschlüsse
für die Inhalatoren. Auch mobile Inhalationsgeräte für
die intermittierende Überdruckbeatmung (IPPB) stehen zur Verfügung
in den Patientenzimmern.
Inhalationsabteilung mit
Sole-Raum-Einzelinhalation
Sole-Apparateinhalation Mund
Sole Apparateinhalation Nase
Medikamenteninhalation Mund und Nase
Nasennebenhöhlen-Behandlungen
Kurzwelle
Rotlicht
Blaulicht
Ultraschalldruckvernebler
Kneipp-Abteilung
Wechsel-Armband
Wechsel-Fußbad
Ansteigende Bäder
Güsse
Blitzgüsse
Schottische Wechseldusche
Sitzbäder
Bewegungsbad
Sauna
Tretbecken
SolariumBädertherapie
Kohlesäurebad
Luftperlbad
Rosmarin
Thymian
Latsche
Fichte
Sole
Wannenbäder
Rosmarin
Thymian
Pinimenthol
Balneum-Hermal-Bad
Baldrian
Melisse
Rheumabäder
Contrheuma
Moorlauge
Heublumen
Sauerstoffbad
Vierzellenbad
Stangerbad
f) Nächtliche Beatmungstherapie bei Schlafapnoe
Die umfangreiche Schlafapnoe-Diagnostik wird mit
der Einstellung der nCPAP- bzw. BiPAP-Therapie
im Schlaflabor komplettiert und führt mit dieser äußerst
effektiven Therapie zu einer oft erstaunlichen Wiederherstellung einer vorher
nicht mehr geahnten Lebensqualität bei den betroffenen Patienten. Die Patienten
erhalten das für Ihre Situation maßgeschneiderte Gerät und Maske
von uns, sie können dieses Gerät mit nach Hause nehmen. Um die Kostenerstattung
bei der Krankenkasse kümmern wir uns.g) Allergenkarenz
Beim Asthma steht die Allergenkarenz in Vordergrund, die, falls
erforderlich, durch eine individuell abgestimmte und umfassende Allergiediagnostik
auf eine fundierte Grundlage gestellt wird. Im Haus werden nur
bettfedernfreie
Allergiebetten
verwendet. Häufiges Reinigen von Betten und Matratzen gewährleistet
weitgehende Milbenfreiheit, im Nebengebäude unterstützt durch die
Fußbodenheizung. Zusätzlicher Allergocover Matratzen- und Bettüberzüge
stehen für betroffene Patienten mit HSM-Sensibilisierungen zur Verfügung.
h) Psycho-soziale Therapie
Raucherentwöhnung
Alkoholberatung
Sozialberatung
Gesprächstherapie (Gruppe, Einzel)
i) Diäten/Ernährung
Patientenschulung
Übergewicht
Kortison und Ernährung
purinarme Kost
Cholesterin
Diabetes
Ernährungsberatung (individuell)
j) Sozialberatung
Ein erfahrener Sozialberater bietet Hilfestellung und Unterstützung in
beruflichen und sozialen Fragen.
k) Klimatherapie / Erholung
Das relativ milde Klima, Bad Reichenhall (472 m ü. d. M.) liegt in einem
Talkessel umgeben von bis zu 2000 m hohen Bergen, eine reizvolle Umgebung inmitten
der Bergwelt des Berchtesgadener Landes mit einer intakten Umwelt, sauberer
Luft, vielfältigen Wander- und Sportmöglichkeiten und nicht zuletzt
die Nähe zu Salzburg erweitern und ergänzen den medizinischen Standard
um wesentliche gesundheitliche und soziokulturelle Aspekte.
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