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Stoffe, die die Atemwege erweitern
 

Medikamente, die die Atemwege erweitern und damit direkt zur Linderung der Atemnot beitragen können, sind eine der Säulen der COPD-Behandlung. Da es 3 verschiedene Stoffgruppen gibt, können Sie hier die entsprechenden Unterkapitel anwählen:

  1. Theophyllin
  2. Anticholinergika
  3. Beta-Sympathiko-
    mimetika


Letzte Aktualisierung dieser Seite: 14.02.2013

Medikamente gegen Atemnot - bronchienerweiternde Substanzen (2):


Anticholinergika - ein wenig "Tollkirsche zum Inhalieren"?

... die Substanzgruppe mit dem komischen Namen! Diese Medikamente sind heutzutage die Nummer "1" der atemwegserweiternden Pharmaka für Menschen, die an einer COPD leiden. Was es für Sie einfacher macht: es gibt derzeit nur zwei (2!) Präparate (das wird sich aber bestimmt irgendwann ändern): Atrovent® und Spiriva® - und beide kommen aus dem gleichen "Stall". Atrovent® ist ein "ganz altes", Spiriva® ein ziemlich neues Medikament. Gut sind sie beide.

Diese Medikamentengruppe stammt wie das Theophyllin aus der Natur, nämlich aus dem Stechapfelkraut (Datura). Dabei handelt es ich um ein stark giftiges, weltweit wachsendes stacheliges Kraut, das sehr ähnliche Blüten hat wie die Engelstrompete (bei uns fälschlicherweise auch als Datura bekannt). Seit Jahrtausenden wird das Gift dieser Pflanze als Heilmittel verwendet, schon bald hatte man entdeckt, dass es in geringer Dosis Atemnot lindert. Noch vor wenigen Jahrzehnten konnte man die "Asthmazigarette" in der Apotheke kaufen. Diese enthielt neben Tollkirschenkraut auch Stechapfelkraut und hatte tatsächlich - man glaubt es kaum - eine bronchienerweiternde Wirkung!

Inzwischen gibt's aber gottlob die modernere und verträglichere Variante, eben die zwei oben genannten Medikamente zum Inhalieren. Das Atrovent® stammt noch aus der "Jugendzeit" der Asthmatherapie. Es zeichnet sich - erstaunlicherweise - durch eine gute Verträglichkeit und eine sanfte krampflösende Wirkung auf die Bronchien aus (der Mund kann davon etwas trocken werden), geriet dann aber im Lauf der Jahre etwas in Vergessenheit, da zunehmend stärker wirksame Substanzen synthetisiert wurden, die einer anderen Gruppe, nämlich den Betasympathikomimetika angehören.

Erst vor wengen Jahren stellte man fest, dass das Atrovent® im Gegensatz zum Asthma bei der COPD eine mindestens ebenso gute Wirkung hat wie die Betasympathikomimetika, dabei aber doch erheblich weniger Nebenwirkungen. Man beschäftigte sich wieder mit diesem "altehrwürdigen" Medikament und konnte die Wirkstärke und die Wirkdauer verbessern (Atrovent® muss 4 x täglich inhaliert werden, um optimal zu wirken).
So entstand das derzeitige Toppräparat Spiriva®. Man muss nur einmal täglich den Inhalt einer Pulverkapsel inhalieren, es hat bis auf die angesprochene Mundtrockenheit (die allerdings gelegentlich unangenehm sein kann) kaum Nebenwirkungen aber eine zwar sanfte aber gute und langanhaltende Wirkung auf die Atemnot.

Inhalieren oder Schlucken?

Hier ein Wort zum Thema "Inhalieren". So wie man auf eine Entzündung an der Haut natürlich zuerst einmal lokal eine Salbe aufträgt und keine Tablette einnimmt, kann man auch die Atemwegsschleimhäute lokal behandeln, sozusagen "einschmieren". Man muss sie nur in Form eines feinsten Staubes oder Dampfes der Atemluft beimengen und dann einen tiefen Atemzug nehmen ("Lungenzug"). Dabei bleibt ein guter Teil der Wirksubstanz auf der Schleimhaut hängen, ein kleiner Rest wird wieder ausgeatmet. Auf diese Idee kam man schon recht früh (z.B. eben bei der "Asthmazigarette" - und heute sind die inhalativen Medikamente nicht mehr wegzudenken. Sie haben einige große Vorteile:

Es gibt dagegen eigentlich nur einen einzigen Nachteil: man muss die Inhalationstechnik beherrschen, damit man alle Vorteile ausschöpft. Das lernt man am besten in einer Patientenschulung unter Aufsicht. Denn das beste lokale Medikament kann nicht oder nur eingeschränkt wirken, wenn Sie es tatsächlich dahin bringen, wo es wirken soll ... eine Augensalbe hilft auch wenig, wenn Sie sie auf den Arm schmieren ;-))

Man kann mit gutem Gewissen sagen, dass die Entwicklung von Spiriva® die Behandlung der COPD revolutioniert hat und eine der wichtigsten Neuerungen auf diesem Gebiet seit vielen Jahren ist.

Inzwischen (2012) gibt es einen neuen Wirkstoff aus dieser Gruppe: Aclidinium. Die Handelsnamen sind Eklira® und Bretaris®, jeweils 322 µg in einem Pulverinhalator (Genuair®). Sie sollen eine gute Wirkung und wenig Nebenwirkungen haben. In der Praxis müssen sie sich allerdinsg erst bewähren (siehe www.aerzteblatt.de/nachrichten/52915/COPD-Zusatznutzen-von-Aclidiniumbromid-ist-nicht-belegt.)

Trotzdem ist die 3. Gruppe, die sog. Betasympathikomimetika auch bei der Behandlung der nach wie vor COPD wichtig, sie ergänzt die Behandlung mit Anticholinergika und führt dadurch zu einer noch besseren Stabilisierung der Atemsituation.

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Letzte Aktualisierung 14.02.2013 … | … Autor der Seite © Dr. med. Michael Prittwitz