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Stoffe, die die Atemwege erweitern
 

Medikamente, die die Atemwege erweitern und damit direkt zur Linderung der Atemnot beitragen können, sind eine der Säulen der COPD-Behandlung. Da es 3 verschiedene Stoffgruppen gibt, können Sie hier die entsprechenden Unterkapitel anwählen:

  1. Theophyllin
  2. Anticholinergika
  3. Beta-Sympathiko-
    mimetika


Letzte Aktualisierung dieser Seite: 12.11.2008

Medikamente gegen Atemnot - bronchienerweiternde Substanzen (3):

Beta-Adrenergika oder Beta-Sympathikomimetika: "Red Bull für die Lunge..."

Nun kommen wir zu den bekanntesten, am häufigsten benutzten Atemwegsmedikamenten - und ausgerechnet diese haben einen so unaussprechlichen Namen! Hier gehören Berodual®, Berotec®, Sultanol®, aber auch Foradil® und Serevent® hin, um nur einige recht oft benutzte Atemwegstherapeutika zu nennen.

Der eigenartige Name erklärt sich durch die Abstammung vom Adrenalin, einem bekannten körpereigenen Hormon (Botenstoff). Das Adrenalin ist das "Red Bull" unseres Körpers: wenn Anstrengung, Aktivität, schnelles Laufen oder hartes Kämpfen angesagt ist (und wer von uns versucht nicht oft genug seinem Schicksal davon zu laufen oder kämpft hart gegen es an ;-) - dann wird aus den Nebennieren diese Substanz in unser Blut ausgeschüttet - und schon bemerkt man den "Adrenalinschock": schneller, manchmal rasender Puls mit entsprechendem Herzklopfen, innere Unruhe und Angespanntheit mit Muskelzittern und tiefes Durchatmen.

Das alles ist von der Natur aus sehr sinnvoll und gut zu erklären. Wenn wir etwas Anstrengendes leisten sollen, "Power" brauchen, benötigen wir viel Sauerstoff, das Herz muss den durch die Lunge herangeschafften Sauerstoff schnell in die Muskeln pumpen, diese bereiten sich auf die Aktion vor, wie ein Läufer am Start oder ein Tormann bei der Weltmeisterschaft und vibrieren um die Wette.

Schon recht früh (nämlich als man Anfang des 20. Jahrhunderts diese Zusammenhänge erforscht hatte) hatte man die Möglichkeit entdeckt, diese Fähigkeiten des Adrenalins zu nutzen, um mehr Luft in den Körper zu bringen, die Atemwege zu öffnen, die Lungentätigkeit anzukurbeln. Und erste Versuche bei Menschen mit Asthmaanfällen zeigten dann auch: die verengten Atemwege gehen auf, die Atemnot bessert sich schlagartig. Allerdings sind die Nebenwirkungen vor allem auf das Herz dramatisch - die Pumpe droht aus dem Brustkorb zu springen.

Im Lauf der Jahre gelang es dann, diese Herznebenwirkungen drastisch zu reduzieren und so entstanden die Adrenergika, d.h. Adrenalinähnlichen. Da die Wirkung des Adrenalins über das sog. vegetative Nervensystem läuft, das aus den Anteilen Sympathikus und Parasympathikus besteht, heißen diese Medikamente auch Sympathikomimetika. Sie müssen sich's nicht unbedingt merken, es ist aber ganz praktisch für das Verständnis dieser für Sie wichtigen Hilfsstoffe, sich einmal ein wenig damit zu beschäftigen..

Nun aber nochmal zu den Medikamenten im eigentlichen Sinn. Die Betaadrenergika sind heute bei der Behandlung des Asthmas die Nummer 1, bei der COPD zumindest zusammen mit den Anticholinergika ebenfalls an vorderster "Front". Sie haben eigentlich die schnellste Wirkung auf die verengten Bronchien, deshalb gehören auch alle Bedarfs- und Notfallinhalatoren zu dieser Gruppe. Das ist das "klassische Asthmaspray", der "Püster" oder das "Pümpchen" schlechthin. Nach wenigen Sekunden bis Minuten verspürt man zumindest eine gewisse Erleichterung. Wenn man zuviel inhaliert, kann man zittrig werden und Herzklopfen bekommen, die Erinnerung an den "Großvater" Adrenalin...

Medikamente wir Berotec® und Sultanol® gibt es schon sehr lange, sie sind immer noch aktuell. Man musste sie früher aber mindestens viermal täglich inhalieren, um einigermaßen über den Tag zu kommen. Und in der Nacht - einer schlechten Zeit für Asthmakranke - war es oft sehr problematisch. Die Präparate wirken zwar schnell, die Wirkung lässt aber auch schnell wieder nach. Deswegen musste man früher auch meist vor dem Schlafengehen Theophyllin Retardtabletten einnehmen, um nicht 2-3 mal nachts wegen Atembeschwerden aufzuwachen und sein Spray anwenden zu müssen.

Das hat sich grundlegend geändert, seit es die Betasympatikomimetika mit Langzeitwirkung gibt (seit etwa 15 Jahren): Oxis®, Foradil®, Serevent® und atemur® waren die ersten. Schon bald gab es dann auch Kombinationen mit inhalierbarem Cortison (siehe nächstes Kapitel): Symbicort®, Viani® und atmadisc®. Das ist prinzipiell ein vernünftige Sache, weil man zumindest während einer stabilen Krankheitsphase diese beiden Medikamente immer zur gleichen Zeit anwenden muss, dann kann man sie ja auch gleich in ein einziges Inhalationsgerät bringen.
Man kann aber auch ein paar Tropfen in eine Kochsalzlösung geben und mit Hilfe eines Inhalationsgerätes (der bekannteste ist der Pariboy®) vernebeln und so tief in die tiefen Atemwege bringen. Das ist zwar gut und wirksam, in manchen Situationen auch nochmal etwas vorteilhaft gegenüber dem Spray (vor allem bei stärkerer Verschleimung), normalerweise aber ist die Anwendung mittels eines Tascheninhalators (Dosieraerosol oder Pulverinhalator) aber einfacher, schneller, praktischer. Und nur was praktikabel ist, macht man auch!

Es gibt diese Art Medikament auch in anderen Formen: als Tabletten, Retardtabletten, Spritzen - diese haben sich aber gegen die viel praktischeren Sprays nie richtig durchsetzen können und werden heutzutage kaum noch benutzt.

Noch ein Wort zu den Risiken durch diese Medikamentengruppe. Vor Jahren sind sie ein wenig ins Gerede gekommen, weil durch sie mehrere Todesfälle bekannt wurden. Dies betraf vor allem Neuseeland und Australien, wo es extrem viele Asthmatiker gibt und damals noch fast die ganze Behandlung nur mit diesen Medikamenten durchgeführt wurde. Aus der oben beschriebenen engen Verwandtschaft mit dem Adrenalin lässt sich das erklären: wenn man die Substanz sehr stark überdosiert, also z.B. 20 mal am Tag aus dem Spray inhaliert, nimmt die Herzbelastung dadurch stark zu. Und wenn dann, was ja nicht so selten ist, jemand auch noch ein "angeschlagenes" Herz hat, kann es schon sein, dass es einfach zuviel wird und die Pumpe streikt. Bei korrekter Anwendung besteht da aber keine Gefahr. Man hat damals auch das starke Berotec 200® aus dem Verkehr gezogen, heute gibt es nur noch das schwächere Berotec 100®, da ist die Gefahr einer gefährlichen Überdosierung viel geringer. Letztlich ist aber der Patient selber mit verantwortlich, mit diesen Medikamenten vorsichtig umzugehen, Spielzeuge sind es nicht ...

Genug von den Betasympathikomimetika! Die nächste Medikamentengruppe hat eine ganz andere Wirkung, sie hat nicht ganz die überragende Bedeutung wie für die Asthmakranken, ist aber trotzdem auch bei der COPD wichtig: die entzündungshemmenden Substanzen, es geht also in erster Linie um das "berühmt-berüchtigte" Cortison.

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Letzte Aktualisierung 21.11.2010 … | … Autor der Seite © Dr. med. Michael Prittwitz