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Stoffe, die die Entzündung behandeln
 

Cortison, das auf dem Verdauungsweg oder dem Blutweg in den Körper gebracht wird, wirkt deutlich schneller und stärker, hat jedoch unter Umstädnen nicht unerhebliche Nebenwirkungen.

Hier können Sie sich informieren.
Außerdem können Sie wieder die entsprechenden Unterkapitel anwählen:

  1. Allgemeines zum Cortison
  2. Cortison zum Inhalieren
  3. Cortison zum Schlucken und Spritzen
  4. Alternativen zum Cortison?


Letzte Aktualisierung dieser Seite: 12.11.2008

Cortison zum Schlucken

Das "richtige", mit Vorsicht zu "genießende" Cortison

Bei der oralen Cortisonbehandlung kommen all die Dinge zum Tragen, die einem beim Wort Cortison einfallen und die für den manchmal doch recht schlechten Ruf dieses Medikamentes verantwortlich sind.
Hier wird die Droge in den Blutkreislauf gebracht, verteilt sich ganzen Körper(system) und kann überall seine Wirkungen verursachen. Deshalb nennt man diese Form der Therapie auch die systemische Cortisonbehandlung im Gegensatz zur topischen (nur am Ort = griech. Topos) stattfindenden Behandlung mit Salben und Sprays.
Einzelheiten zum Hormon Cortisol und zum Medikament Cortison allgemein haben wir hier schon erwähnt. Hier geht es nun um Details der Tablettenbehandlung mit diesem (vielleicht wichtigsten) Medikament der Atemwegsbehandlung.
Hier kurz die wichtigsten Einflussfaktoren für eine orale Cortisonbehandlung.

  1. Dauer und Frequenz der Einnahme: regelmäßig und langdauernd - nur kurzzeitig nach Bedarf
  2. Dosis: hohe Dosis - niedrige Dosis
  3. Einnahmezeitpunkt:
    • morgens - abends
    • einmal täglich - mehrmals täglich
  4. Ernährung
  5. Bewegung

Zu Punkt 1: Ganz wichtig ist vor allem hinsichtlich der gefürchteten Nebenwirkungen die Frage nach der Behandlungsdauer: die meisten dieser unerwünschten Erscheinungen machen sich erst bei länger dauernder Einnahme bemerkbar. Eine Behandlung von 1 - 14 Tagen ist im Allgemeinen unprobematisch. 1 - 3 Monate können schon zu unangenehmen Nebenerscheinungen führen, diese bilden sich aber meist nach Absetzen wieder zurück. Ein noch längere Behandlung sollte nur durchgeführt werden, wenn es wirklich keine Alternative gibt.

Zu Punkt 2: Der zweite überaus wichtige Einflussfaktor ist die Dosis. Es ist - vor allem bei länger dauernder Behandlung - ein großer Unterschied, ob Sie 5 mg oder 50 mg oder sogar noch mehr einnehmen (die Dosis wird bei Tabletten übrigens in Milligramm (mg) angegeben, also 1000-stel Gramm, bei inhalativem Cortison dagegen in Mikrogramm (µg) = 1000000-stel Gramm!). Grundsätzlich gilt kurz und hoch dosiert (also z.B. in akuten Situationen oder Notfällen 20 - 200mg) ist weniger problematisch als langzeitig und niedrig dosiert (z.B. 5 - 10mg über Monate). Mehr als 20mg sollte man über längere Zeit nur in wirklichen Ausnahmefällen einnehmen. Bei der COPD "bringt dies" in der Regel ohnehin wenig bis nichts.
Früher sprach man gerne von einer Cushing-Schwelle, das ist aber heute sehr umstritten: Es gibt keine Cortisondosis, die ganz sicher und nebenwirkungsfrei ist. Heutzutage richtet man sich eher nach der Regel "so wenig wie möglich, so viel wie unbedingt notwändig". Zu beurteilen, wieviel das im individuellen Fall bedeutet, ist Aufgabe des Arztes.

Zu Punkt 3: Ebenfalls nicht unwichtig ist bei länger andauernder Behandlung der Einnahmezeitpunkt. Im Notfall gibt es da keine Beschränkung, aber wenn SIe über Wochen oder sogar Monate Cortisontabletten einnehmen müssen, sollten Sie streng darauf achten, die Tabletten so früh wie möglich zu nehmen. Es kommt dabei weniger auf die Tasache an, ob Sie dazu etwas essen oder nicht als um den effektiven Zeitpunkt. Am günstigsten ist dieser Zeitpunkt zwischen 6 - 8 Uhr morgens. Hier fügt sich das Tablettencortison in den Tagsrhythmus des körpereigenen Cortisons ein und hat so einerseits am wenigsten Nebenwirkungen, bringt aber auch diesen wichtigenTagesrhythmus am wenigsten durcheinander.
Mit letzterem hängt auch der zweite Unterpunkt zusammen. Falls irgend möglich, sollten Sie Ihre Cortsiondosis auf einmal, am besten am frühen Morgen einnehmen.
Nur in Ausnahmefällen wird Ihnen Ihr Arzt eine zweimal tägliche Einnahme verordnen. Im Zweifelsfall fragen Sie ruhig einmal nach, damit er/sie Ihnen seine/ihre Gründe erklärt.

Zu Punkt 4: Ernährung und Cortisonbehandlung ist ein ganz wichtiges Thema! Hierüber könnte man ein ganzes Buch schreiben. Deshalb nur ein paar wichtige Punkte:
Ihre Ernährung sollte Ihnen gut schmecken, vielseitig sein, hübsch ausschauen, nicht zu viel und nicht zu wenig …
Obst, Gemüse, Mineralstoffe, Vitamine, Eiweiss, Kohlenhydrate, etwas Fett (eher pflanzlich als tierisch) sind so die Grundsäulen. Eigentlich das, was man so allgemein als "gesundes Essen" empfiehlt.
Speziell bei einer länger dauernden Cortisonbehandlung sollte man aber bedenken, dass durch die Therapie vor allem Kalium verloren geht, dass die Knochen einen Schutz brauchen, also Calcium. Man sollte nicht zu salzreich essen (und trinken! Manche Mineralwässer enthalten sehr viel Kochsalz), das fördert die Einlagerung von Wasser im Gewebe.
Die Nahrungsmittel sollten möglichst wenig belastet sein, also eventuell Bioproduke bevorzugen, noch besser, Obst und Gemüse da besorgen, wo man etwas über die Herstellung weiß.
Das sind nur ein paar allgemeine Überlegungen. Für Einzelheiten gibt es Informationsmaterial "wie Sand am Meer".

Zu Punkt 5: Noch ein wichtiger Punkt! Wenn Sie sich ausreichend bewegen, hat Cortison weniger Nebenwirkungen. Nutzen Sie die Verbesserung der Atmung und damit Ihrer Belastbarkeit durch die Cortisonbehandlung: treiben Sie Sport, machen SIe Gymnastik, gehen Sie wandern, bergsteigen, walken, laufen, schwimmen, radfahren …
Sie werden sehen, bereits nach kurzer Zeit fühlen Sie sich wohler, leistungsfähiger, die Stimmung bessert sich (Sport ist das beste Mittel gegen leichtere und mittlere Depressionen) - und gleichzeitig schützen Sie Ihren Körper vor den unerwünschten Wirkungen des Cortisons. Einfacher, billiger und wirkungsvoller können Sie nichts Gutes für sich und Ihren Körper tun!
Natürlich gibt es auch hier Regeln, die man beachten sollte, Übertreibungen können wie immer im Leben gefährlich sein. Hier sollten Sie vorsichtshalber vorher Ihren Arzt fragen. Trotzdem gilt allgemein: Allzu große Ängstlichkeit ist eher schlechter als ein wenig Wagemut.

Das sind so die wichtigsten Punkte, die bei einer Cortisonbehandlung über längere Zeit eine Rolle spielen. Wenn man das alles berücksichtigt, sollten sich die Probleme durch dieses Medikament im akzeptablen Bereich halten. Wichtig ist hier wirklich ein Fachmann/eine Fachfrau, und das sollte in Ihrem Fall eigentlich immer ein Lungenarzt sein. Hier werden auch regelmäßig wichtige Kontrolluntersuchungen gemacht. Eine solche Behandlung sollte nie ohne ärztliche und besonders auch fachärztliche Überwachung durchgeführt werden. Dann aber sind die Chacen gut, dass man durch eine gezielte und kontrollierte Cortisonbehandlung Ihre Beschwerden deutlich lindert und Ihre Lebensqualität drastisch verbessert. Und das wollen Sie ja …?

Zum Thema Cortison in Form von Spritzen oder Infusionen nur soviel: Diese Form der Behandlung ist nur in Notfällen sinnvoll, dann sollte man aber auch nicht zu lange damit warten, denn dann kann das Medikament durchaus lebensrettend sein. Für die Langzeitbehandlung bringt diese parenterale Behandlungsform keine Vorteile.

Nun abschließend noch ein Blick auf die möglichen Alternativen zum Cortison - aber erwarten Sie sich da nciht zuviel …

Letzte Aktualisierung 21.11.2010 … | … Autor der Seite © Dr. med. Michael Prittwitz